Konzertreisen

Die Blasharmoniker in Fernost

Konzertreise nach China


Bereits in Lederhosen und Haferlschuh, bequem und unverwechselbar – so starteten einige Blasharmoniker am 23. August 2006 vom Münchner Flughafen ihre Reise über Bejing (Peking) nach Shenyang. Nach einer 18-stündigen Reise wurden wir in unserem luxuriösen Hotel Kempinski begrüßt.

 

Bereits auf unserer Russland-Reise 1994 hatten uns Freunde aus der djo begleitet. Darunter auch Kristina Schippl, deren Vater in der Leitung von BMW China tätig war. Diesen Kontakt konnten wir auch in China nutzen: Peter Schippl hatte über seine Beziehungen das Hotel Kempinski mit ins Boot geholt. Zudem spannte er auch seine frühere Sekretärin Susan Liu ein, die sehr viel Zeit für uns als Begleitung und Dolmetscherin aufwandte.

 

Musikalisch bestritten wir vier unserer elf Auftritte in China auf der Internationalen Gartenausstellung in Shenyang. Zum ersten Auftritt wurde unser Bus mit vorausfahrendem Blaulicht von der Polizei eskortiert. Das war auch nötig, damit wir trotz des in China üblichen dichten Stadtverkehrs pünktlich erscheinen konnten. Bei allen Konzerten unterhielten wir unser Publikum mit bayerischer Folklore und unserem Swing- und Big-Band-Programm, etwa bei der Einweihung eines Hochhauskomplexes, einem Nachmittagskonzert in einem Einkaufszentrum und einem Ständchen für die Mitarbeiter der bayerischen Firma Dräxlmeier. Bei unseren beiden Auftritten im Paulaner Bräuhaus-Keller des Kempinski Hotels konnten wir unser Programm um ein besonderes Schmankerl erweitern: Schon Wochen vor unserer Reise übten vier Dirndln (Bernadette Dorfner, Heike Einmüller, Michaela Kürzinger, Nicole Schwab) und Buam (Armin Hoppmann, Herbert Kürzinger, Marcus Ammann, Thomas Ziegler) bayerische Volkstänze. Nun begeisterten sie das Publikum mit Drehern und Schuhplattln in China. Danach banden sie unsere chinesischen Gäste mit ein.


Den musikalischen Höhepunkt der Reise bildete unser Auftritt auf dem Government Square in Shenyang. Als wir mit unserem Bus dort eintrafen, war der Platz bereits gut gefüllt mit Chinesen, die ihrer Abend-Freizeitbeschäftigung nachgingen: Kaligraphie mit großen Pinseln und Wasser auf den Platten des Platzes, Gymnastik oder Kartenspielen. Nach Hereinbrechen der Dunkelheit jedoch gehörte uns die volle Aufmerksamkeit eines 5.000 Personen starken Publikums. Mit unserem abwechslungs-reichen Programm und nicht zuletzt auch mit zwei eigens eingeübten chinesischen Stücken, „A Lovely Rose“ und dem traditionellen Volkslied „Liu Yang River“, konnten wir das Publikum begeistern. Die anfangs eher reservierten Chinesen gingen am Schluss so aus sich heraus, dass wir erst nach mehreren Zugaben von der Bühne gelassen wurden. Unsere Blasharmoniker-Aufkleber fanden reißenden Absatz und sogar unsere Wasserflaschen waren interessant. Dieses Konzert bleibt wohl für alle Beteiligten unvergesslich.


Auch für Ausflüge und Besichtigungen blieb genügend Zeit. Schier erschlagen wurden wir bei der Begehung der berühmten Chinesischen Mauer, die wir an deren östlichsten Ende bei Dandong erklommen. Bekamen wir von dem anstrengenden, steilen Aufstieg schon weiche Knie, so ergriff uns oben angelangt das Bewusstsein für die Bedeutung dieses Ortes. Bei einem Bootsausflug auf dem Grenzfluss Yalu in Dandong wurde uns dann der Unterschied zwischen dem aufstrebenden China mit seiner geradezu immensen Bauwut und dem armen nordkoreanischen Nachbarn vorgeführt. In Shenyang selbst konnten wir die rot-goldenen Paläste der Verbotenen Stadt aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts besichtigen, dem ersten Sitz der mandschurischen Qing-Dynastie. Denn erst mit der weiteren Ausbreitung der Macht über weite Teile des chinesischen Kernlandes 1644 verlegte man den Regierungssitz und Kaiserpalast nach Peking.


Nach dem Abschiedsabend im Paulaner Bräuhaus in Shenyang ging die Reise weiter in die Hauptstadt Bejing. Auch hier erstaunten uns die historischen Bauten der Kaiserzeit: der Himmelstempel, die großzügigen kaiserlichen Gärten und die engen HuTong-Viertel. Nach einem Aufstieg in den Trommelturm durchquerten wir zuerst auf Rikschas, dann zu Fuß die historische Altstadt. Uns faszinierten die exotischen Tiere auf den Märkten und die abenteuerliche Verkabelung der dicht beieinander stehenden Häuser. Nicht zuletzt erschließt man sich den Zugang zu einer fremden Kultur durch das Essen. Aus der anfänglichen Ratlosigkeit – Was ist das? Und wie esse ich das? – konnten uns Peter Schippl und Susan Liu schnell heraushelfen. Wir probierten alles: Fisch in dicker brauner Soße, gegrilltes Fleisch auf Spießen und gezuckerte Tomaten, gegrillte Hühnerfüße, gekochte Rindersehnen und überbackenen Seetang, eine Suppe mit der meterlangen Geburtstagsnudel, die das Geburtstagskind Michael Maier mit Stäbchen essen durfte, Aale so klein wie Raupen, Käfer und vieles mehr. Nur eines fanden wir nie: Reis. Der gilt als „Arme-Leute-Essen” und wird Gästen erst gar nicht angeboten.


Der Heimflug verlief fast schon langweilig, wäre da nicht das leere Gepäckband am Frankfurter Flughafen gewesen – unsere Instrumente und Koffer fehlten. Lange Gesichter: was für ein Desaster, wenn uns das auf dem Hinweg nach China passiert wäre! Nach dem ersten Schock war das aber auch nicht mehr schlimm. So mussten wir uns wenigstens nicht mit unserem Tross im Zug plagen. Die Gepäckstücke trafen ein paar Wochen später in Deutschland ein.

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